Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- & Kieferheilkunde hält
die Gabe von Fluortabletten zur Kariesvorbeugung bei Säuglingen ab dem
7. Lebenstag nicht mehr (wie bisher empfohlen) für notwendig. Systematische
Fluoridanwendung in Tablettenform wird durch regelmässige Zahnhygiene überflüssig.
Die Fluor-Prophylaxe darf jedoch nicht mit der Vitamin-D Prophylaxe verwechselt werden. Fluor wird meistens in Verbindung mit Vitamin-D verabreicht, z.B. D-Fluorretten. Bitte beachten Sie, dass Ihr Baby in den Wintermonaten (Oktober-April) unbedingt Vitamin-D braucht. Vitamin-D kann der Körper in den Wintermonaten nicht in ausreichender Menge produzieren, ein Vitamin-D Mangel führt zu Knochenerkrankungen wie z.B. Rachitis. Vitamin-D Tabletten gibt es jedoch auch ohne Fluor z.B. Vigantoletten oder Vigantolöl, bitte fragen Sie Ihren Kinderarzt.
Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden
Eine ausgewogene Ernährung, zweckmäßige Zahn- und Mundpflege
sowie die Anwendung von Fluoriden sind die drei Eckpfeiler zahnmedizinischer
Prävention. Aufgrund aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse ist beim
Einsatz von Fluoriden der lokalen Applikation gegenüber der systemischen
Zufuhr der Vorrang einzuräumen. Zahlreiche Untersuchungen haben in den
letzten Jahren herausgestellt, dass Fluoride in erster Linie durch direkten
Kontakt mit Zahnhartsubstanzen (lokal) karieshemmend wirken. Diese Erkenntnisse
sowie der deutliche Kariesrückgang insbesondere bei Kindern und Jugendlichen
und die insgesamt höhere Verfügbarkeit von Fluorid erfordern eine
Anpassung der Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden, so wie sie in
anderen westlichen Industrieländern bereits erfolgt ist.
Vor dem 6. Lebensmonat sind aus zahnärztlicher Sicht keine
Fluoridierungsmassnahmen erforderlich. Mit dem Durchbruch der ersten Milchzähne
sollten diese von den Eltern einmal am Tag mit einer höchstens erbsengroßen
Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpaste (maximal 500 ppm Fluorid)
gereinigt werden. Dabei wird von der Anwendung von Zahnpasten mit Frucht- oder
Bonbongeschmack abgeraten, um keinen Anreiz zum Herunterschlucken zu geben.
Ab dem 2. Geburtstag sollten die Milchzähne auf diese Weise zweimal täglich
geputzt werden. Neben einem karies- und gingivitisprophylaktischen Effekt wird
damit auch eine frühzeitige Gewöhnung des Kindes an die tägliche
Mundhygiene erreicht. Eltern müssen das Zähneputzen bei Kleinkindern
überwachen und bis in das Schulalter hinein die Zähne ihres Kindes
nachputzen.
Im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen und bei zahnärztlichen Kontrollterminen sollten die Eltern über die Bevorzugung der lokalen gegenüber der systemischen Fluoridanwendung aufgeklärt und beraten werden. Zusätzlich zum Zähneputzen mit fluoridhaltiger Kinderzahnpaste wird die Verwendung fluoridhaltigen Speisesalzes empfohlen. Weitere Fluoridsupplemente sind im Regelfall nicht nötig.
Wird die Zahnpflege nicht mit fluoridhaltiger Zahnpaste durchgeführt und
auch kein fluoridhaltiges Speisesalz verwendet, kann eine Fluorid-Supplementierung
mit Fluoridtabletten entsprechend dem angegebenen Dosierungsschema erfolgen.
Dabei muss gewährleistet sein, dass die empfohlene Tagesdosis nicht überschritten
wird. Insbesondere ist dabei zu berücksichtigen, dass auch Sojanahrung,
hypoallergene Nahrungsmittel, bilanzierte Diäten, Mineralwässer zur
Herstellung von Säuglingsnahrung und evtl. auch andere fluoridhaltige Nahrungsmittel
zur täglichen Fluoridaufnahme beitragen. Vor der Verordnung von Fluoridtabletten
durch den Kinderarzt/Zahnarzt ist daher eine individuelle Fluoridanamnese zu
erheben. Der Fluoridgehalt des lokalen Trinkwassers ist vom zuständigen
Wasserwerk oder Gesundheitsamt zu erfahren.
Ab dem Schuleintritt sollten die Zähne mit einer Zahnpaste mit einem Fluoridgehalt von 1000 bis 1500 ppm geputzt werden. Fluoridhaltiges Speisesalz sollte regelmäßig verwendet werden.
Die lokale Anwendung von höher dosierten Fluoridlacken, -lösungen oder -gelen sollte nur nach zahnärztlicher Anweisung und unter zahnärztlicher Kontrolle erfolgen. Die häusliche Anwendung von Fluoridgelees und -lösungen sollte erst vom Schulalter an bei Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko erfolgen.
Die Eltern sollten über das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Fluoridsupplementen informiert werden und möglichst schriftliche Instruktionen für die sachgerechte Anwendung von Fluoriden erhalten.
Stellt der Zahnarzt bei einem Kind eine hohe Kariesaktivität bzw. ein
hohes Kariesrisiko fest, so müssen zusätzliche Maßnahmen erfolgen,
um die Kariesgefährdung zu senken. Hierzu zählen insbesondere eine
individuelle Ernährungsberatung sowie die Anwendung von keimreduzierenden
Lacken, Gelen oder Spüllösungen.
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